Werner-Bonhoff-Preis
Der Bürokratie ein Schnippchen schlagen
Die Werner-Bonhoff-Stiftung prämiert mutige Firmenchefs: Wer Behördenauflagen auf legalem Weg umgeht, kann insgesamt 100.000 Euro gewinnen. Denn der deutsche Paragrafendschungel wird immer dichter und hemmt vor allem kleine Unternehmen.
Albert Heckl ist Schlossermeister in Augsburg. Weil der Abstand zwischen Stempel und Unterkante seiner Blechbiegemaschine sieben Millimeter zu groß war, musste Heckl umbauen. Kostenpunkt: 1.000 Euro, die verlorene Arbeitszeit nicht mitgerechnet.
Das Frappierende an Heckls Fall: Der Schlossermeister hat seit zehn Jahren mit dieser Maschine gearbeitet. Und seit zehn Jahren hatten die Kontrolleure vom Gewerbeaufsichtsamt nichts zu beanstanden.
Bürokratischer Blätterwald
Inge Gräter führt in ihrem Familienbetrieb "Bäckerei Gräter" in Rosengarten die Bücher. 17 Formulare muss sie jedes Jahr allein für das Statistische Landesamt Baden-Württembergs ausfüllen: Gefordert von ihr werden genaueste Angaben über Umsatz, Mitarbeiterzahl und Auftragseingänge in ihren fünf Verkaufsfilialen.
Das Amt fordert die Papiere pünktlich auf den Tag genau, sonst drohen Bußgelder. Chefin Gräter selbst muss Sonderschichten einlegen oder zusätzliche Arbeitskräfte einstellen.
Die Auskünfte an das Statistische Landesamt sind nur ein Bruchteil von insgesamt 220 Vorschriften und Gesetzen, die eine Bäckerei heutzutage beachten muss.Die Werner-Bonhoff-Stiftung
Zahlendickicht
Zurzeit gelten in Deutschland fast 2.200 Gesetze mit über 46.000 Einzelvorschriften, dazu gut 3.200 Rechtsverordnungen mit wiederum 39.000 Vorschriften.
Eine Verringerung dieses bürokratischen Apparats ist nicht in Sicht.
"Überregulierung auf allen Ebenen"
Der Präsident des Bundesverbands der Selbständigen (BDS), Rolf Kurz, stellt fest:
"Die Überregulierung hat auf allen Ebenen zugenommen: Nicht nur der Staat mit Bund, Ländern und Kommunen legt Unternehmern Steine in den Weg, sondern auch Berufsgenossenschaften, Krankenkassen und Kammern."
Doppelte Kosten
"Eine aktuelle BDS-Studie hat ergeben: Nach Lohnzusatzkosten und den Steuern rangiert Bürokratie auf Platz drei der schlimmsten Probleme des Mittelstands", sagt Kurz.
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn hat ausgerechnet: Insgesamt kostet der Bürokratie-Apparat die deutsche Wirtschaft jährlich mehr als 46 Milliarden Euro.
Über 80 Prozent davon entfielen auf den Mittelstand. Der Unternehmer investiere zum einen Zeit und Geld, um die bürokratischen Auflagen zu erfüllen. Zum anderen zahle er auch noch dafür, dass er zahlen muss.
Hoffnung auf weniger Bürokratie
Die Werner-Bonhoff-Stiftung in Berlin prämiert nun diejenigen Unternehmer, die sich erfolgreich und auf legalem Weg gegen die Überbürokratisierung wehren.
Die Erfahrungen der Teilnehmer werden zudem gebündelt von einem eigens dazu ins Leben gerufenen Forschungsprojekt der Berliner Humboldt-Universität. Es soll im Auftrag der Stiftung Lösungen zum Bürokratieabbau entwickeln.
Albert Heckl ist Schlossermeister in Augsburg. Weil der Abstand zwischen Stempel und Unterkante seiner Blechbiegemaschine sieben Millimeter zu groß war, musste Heckl umbauen. Kostenpunkt: 1.000 Euro, die verlorene Arbeitszeit nicht mitgerechnet.
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