Gefallene Sieger

Der Siegerschreck von Leonberg


Ein baden-württembergischer Award-Gewinner unter Untreueverdacht
Normalerweise ist ein Existenzgründerwettbewerb mit der Preisverleihung abgeschlossen. Doch manche Sieger machen noch lange danach Schlagzeilen – aber nicht nur gute. So derzeit in Baden-Württemberg.


Die Veranstalter des Existenzgründerpreises des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg müssen sich noch heute mit dem Sieger von 2006 beschäftigen, berichtet die Stuttgarter Zeitung – allerdings nicht allzu gerne. Der Existenzgründerpreis gehört zur Start-up Initiative, die den Deutschen Gründerpreis austrägt.

Erst Sieger …
Matthias Heißner heißt der damalige Sieger. Er gründete die Imac-Immobiliengesellschaft mit Sitz in Leonberg, die sich auf Sanierung und Vermarktung denkmalgeschützter Gebäude im Südwesten spezialisiert hat. Zu Spitzenzeiten betreute das Unternehmen laut Stuttgarter Zeitung fast 3.000 Wohneinheiten im Wert von mehr als 300 Millionen Euro.

Den Gründerpreis bekam der Mittdreißiger für einen Ableger der "Imac-Gruppe": die Vermieterschutzkartei Deutschland. Das Frühwarnsystem sollte Wohneigentümer vor Ärger mit künftigen Mietern bewahren. Über das Internet ließen sich gegen Gebühr Daten darüber recherchieren, ob bei dem Interessenten womöglich Zahlungsprobleme drohen.

Mit Eloquenz habe Heißner seine Geschäftsidee präsentiert, alle Fragen überzeugend beantwortet und dafür letztendlich auch den Preis erhalten. Sein ganzes Leben sei "ein riesengroßes Erfolgserlebnis", habe er einmal in einem Interview geschwärmt, so die Zeitung.

… dann leichte Kratzer …
Der Glanz bekam schnell Kratzer. Datenschützer des Stuttgarter Innenministeriums stießen auf Ungereimtheiten in der Vermieterschutzkartei: So verstoße die Ausforschung gegen das Gesetz, die Praxis müsse geändert werden.

Das sorgte für Zähneknirschen beim Sparkassenverband: Leider könne man nicht verhindern, dass einmal etwas schief läuft. Heißner ließ sich weiter als Schutzpatron der Vermieter feiern.

… später tiefe Furchen …
Einige Kunden hätten aber noch ganz andere Erfahrungen gemacht: ausgefallene garantierte Mietzahlungen, in Raten abgestotterte Rückstande, unbezahlte Heizölrechnungen.

Sie forschten nach. Das Ergebnis laut Stuttgarter Zeitung: desolate Verhältnisse – die "Rücklagen bis auf kleine Reste scheinbar in Luft aufgelöst, Kautionen spurlos verschwunden, Sparbücher heimlich geplündert".

Und das sei kein Einzelfall gewesen. Offenbar gebe es Dutzende Eigentümer mit ähnlichen Erfahrungen, deren Beschwerden beim Verwalter meist fruchtlos blieben.

Der Sparkassenverband reagierte ebenfalls: "Wir verstehen Ihre Verärgerung und Empörung und bedauern sehr, dass Sie Unannehmlichkeiten mit der Firma Imac haben", schrieb Geschäftsführer Tilman Hesselbarth Anfang 2008 einer Kundin.

Leider habe man "auf zukünftige Entwicklungen" der Ausgezeichneten keinen Einfluss, ihr Auftreten könne nur grob eingeschätzt werden. Die Sparkassen könnten Heißner nur ermahnen, den Preis korrekt zu führen. Das tue er nämlich nicht: Statt als Landessieger trete er als Bundessieger auf.

... jetzt die Staatsanwaltschaft und Bafin …
Der Fall wanderte zur Staatsanwaltschaft Stuttgart. Der Vorwurf gegen Heißner und einen seiner Kollegen: zunächst Betrug, inzwischen Untreue. In großem Stil habe Heißners Mitgeschäftsführer R. Geld von Wohnungseigentümer-Gemeinschaften auf sein privates Gehaltskonto überwiesen. "Insgesamt fehle ein 'sechsstelliger Betrag', der womöglich 'nur die Spitze des Eisbergs' darstelle".

Inzwischen schaltete sich auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein. Betroffene Vermieter hätten sich an die Behörde gewandt, die Rolle der Kreissparkasse Heilbronn zu untersuchen. Hier waren scheinbar die meisten geplünderten WEG-Konten geführt worden.

Die Kreissparkasse Heilbronn weist laut Stuttgarter Zeitung die Vermutung zurück, das Institut könne eine Mitverantwortung haben: "Wir sind nicht involviert", sagte der Vorstandsvorsitzende Hans Hambücher. Wie bei "Hunderten anderen Hausverwaltungen" habe es bei den online-geführten WEG-Konten "keine Auffälligkeiten" gegeben.

… und am Ende Insolvenz und ein mehr als fader Beigeschmack?
Derweil habe die Imac Immobiliengesellschaft Insolvenz beantragt. Ein Insolvenzverwalter ist der Stuttgarter Zeitung zufolge bereits beauftragt.

Er verschaffe sich gerade einen Überblick über die finanziellen Verhältnisse – und wühle sich durch "800 Ordner, in Kisten verpackt". Betroffen seien immerhin 500 bis 1.000 Wohneinheiten, die von der Gesellschaft betreut worden waren. Mit der Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens werde im Spätsommer gerechnet.

Was bleibt, ist ein fader Beigeschmack – besonders für die Veranstalter des Wettbewerbs, den baden-württembergischen Wirtschaftsminister Pfister als Schirmherrr der Veranstaltung und den früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU). Sein Konterfei prange auf der Imac-Homepage, darunter ein Zitat von ihm: "Wichtig bei Immobilieninvestitionen ist die Wahl der Partner."

(mb)

Links
Artikel 1 der Stuttgarter Zeitung zum Thema
Artikel 2 der Stuttgarter Zeitung zum Thema
Onlineseite der Vermieterschutzkartei
Existenzgründerpreis der baden-württembergischen Sparkassen
Entrepreneur des Jahres: Champion geht die Luft aus
Award-Betrug: Schwarze Schafe unter den Teilnehmern

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